Eine Heldenreise

„Quysthali – Buch 1. Eine Heldenreise“

Quysthali1_Covervon Thorsten Reimnitz
Erste Auflage erschienen Juli 2006
Zweite, überarbeitete Auflage Oktober 2009 bei BoD
ISBN 978-3-8334-5313-7, Paperback, 412 Seiten

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts verwendet der geheimnisvolle Jin’Enom sein Vermögen, um die Gemeinschaft der „Quysthali“ zu gründen. Ihre Aufgabe: Die Menschheit voranbringen und ihre Probleme zu lösen. Keine einfache Aufgabe, noch dazu, da den Quysthali am Anfang Angst und Misstrauen entgegen gebracht wird.
Nach einigen Rückschlägen muss sich die Gemeinschaft dann einer großen Bewährungsprobe stellen: Ein Mitglied einer Terrororganisation will mit ihrer Hilfe aussteigen und Pläne über einen Anschlag verraten, der alles bisher dagewesene in den Schatten stellen soll. Doch der Aussteiger wird von den eigenen Leuten getötet, bevor er mehr mitteilen kann – und die Zeit läuft. Die Attentatspläne müssen aufgedeckt und der Anschlag verhindert werden.
Gleichzeitig verschwindet der Europa-Abgeordnete Roland von Braunfels, einer der wenigen Fürsprecher für die Sache der Quysthali in der internationalen Politik, spurlos. Wenn er nicht wieder auftaucht, wird es die Gemeinschaft in Zukunft noch schwerer haben, Anerkennung zu finden.
Mit vereinten Kräften gehen die Quysthali diese Herausforderungen an, die der Beginn einer großen Heldenreise sind…

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Leseprobe

Längere Leseproben und noch mehr Geschichten um die Quysthali können sie im Quysthali-Tagebuch nachlesen.

(Auszug aus Kapitel 6 von „Quysthali – Eine Heldenreise“. © Thorsten Reimnitz. Alle Rechte vorbehalten! Vervielfältigung, Nachdruck oder sonstige Verbreitung nur mit ausdrücklicher Genehmigung!)

Herbeigeeilt kamen sie aus aller Herren Länder, obwohl die Silbe »geeilt« etwas Hektisches in sich trägt, das der Situation nicht ganz gerecht wurde. Jene, die nach Schloss Rosenegg eingeladen worden waren, kamen nicht im Laufschritt, sie kamen langsam, machten sich mit der Umgebung vertraut und staunten. Es war Samstag, der 19. März 2005. Die Natur schickte sich an, Atem zu holen, auf dass der Frühling bald über das Land kommen konnte. Zögerlich zeigten sich erste kleine Pflanzen, die das Nahen der wärmeren Jahrszeit ankündigten.
Schloss Rosenegg wirkte genauso. Es stand bereits in neuer Pracht. Jin’Enom hatte dafür gesorgt, dass nicht nur die Innenräume, sondern auch die Fassade gerichtet wurde. So grüßte das Schloss seine Besucher schon von weitem mit seinen strahlend weißen Wänden. Auch die Dachziegel waren ersetzt worden.
Jin’Enom selbst und Vivien standen an der Pforte des Schlosses bereit. Es war noch nicht richtig warm, aber es war auch nicht mehr kalt, daher machte das Warten auf immer neue Ankömmlinge keine Probleme. Vivien trug ein Klemmbrett unter dem Arm; auf diesem befand sich eine Liste, auf der sie jeden neu ankommenden Gast abhakte. Und es war ein ständiges Kommen. Das sprichwörtliche »aus aller Herren Länder« konnte man hier beinahe wortwörtlich nehmen, denn die Besucher kamen von allen Kontinenten. Die meisten aus Europa, aber es gab auch sonst keinen Kontinent, der nicht vertreten gewesen wäre. Genauso unterschiedlich wie die Herkunft waren auch die Berufe und die gesellschaftlichen Schichten, aus denen sie stammten. Es gab kein einheitliches Muster, und dies war Absicht. Jin’Enom hatte sich die Mühe gemacht, jeden einzelnen wenigstens mit einem kleinen Satz in dessen Muttersprache zu begrüßen. Jeder Besucher wurde aufgefordert, das Schloss zu betreten. Wenn er in dessen Eingangshalle kam, wurde er von einem Mann in Empfang genommen, der nochmal nach
dem Namen fragte und dann einen Schlüssel zu einem der im ersten und zweiten Stock befindlichen Gästeräume aushändigte. Wenn der Gast das Zimmer betrat, so fand er es in schlichter, aber auch gemütlicher Ausstattung vor. Jedes Zimmer enthielt ein Bett, einen Schreibtisch, einen Schrank und Regale sowie einen Fernseher. In der Mitte des Raumes stand eine kleine Sitzgruppe, das waren zwei Stühle und ein Tisch. Auf dem Tisch lag ein Willkommensbrief, verfasst in der jeweiligen Heimatsprache des Besuchers. Der Brief hieß ihn nochmal herzlich willkommen auf Schloss Rosenegg, erzählte kurz von der Geschichte des Gemäuers und wies darauf hin, dass Jin’Enom seine Gäste um halb drei Uhr nachmittags im großen Ratssaal im ersten Stock erwartete. Hier wollte er nun damit rausrücken, weswegen genau er sie alle hierher eingeladen hatte. Bis dahin konnten sie sich die Zeit vertreiben, die Umgebung etwas genauer ansehen, das Schloss oder worauf immer sie Lust hatten.
Schloss Rosenegg lag mitten im Grünen, am Rande eines Naturschutzgebietes. Hinter den Wirtschaftsgebäuden des Schlosses begann unmittelbar der Wald, der die Schlucht säumte, oberhalb deren Eingangs sich Rosenegg befand. Wenn man den kleinen Hügel hinabstieg, kam man zu der Mühle, hinter der die Schlucht begann – oder endete, je nachdem wie man es sehen wollte. Wenn man hinter der Mühle am Mühlteich stand, begann die Schlucht und führte genau in Richtung vom See weg. Aber das Wasser des Mühlteichs kam als Bach aus der Schlucht heraus, es floss also auf den See zu, und der Bach endete hier. Der Bach hatte die Schlucht über lange Zeit tief in den Sandstein gegraben und dabei bizarre Formen an den Wänden hinerlassen. Man konnte dem Verlauf des Wassers auf einem kleinen Weg folgen, der teilweise über Klettersteige und Treppen führte und den Ausflug zu einem kleinen Abenteuer machte. Aber der Anblick der wilden Natur machte dies wieder wett. Lediglich an einem alten Wasserfall war der Anblick nicht so schön. Vor längerer Zeit hatte man dort das Wasser zu einem Teich aufgestaut gehabt. Das Wasser war über eine große Rinne zu einem Wasserfall abgeleitet worden. Nun, da der Teich offensichtlich nicht mehr vonnöten war, hatte man das Stauwehr einfach abgerissen und den Teich so abgelassen, dass er auf einen Bachlauf zusammengeschrumpft war. Die Rinne mit dem Wasserfall hatte man gelassen, doch bei der letzten Waldbereinigung hatte man offensichtlich einfach Bäume, Äste und Zweige, egal ob mit oder ohne Blätter, hinab in den Trichter geworfen, dort, wo das Wasser auftraf, so dass dieses nun wirkte wie eine Müllhalde für Gartenabfälle. Das Wasser verlor sich in einem riesigen Haufen aus Stämmen, Ästen und Blättern und trat an irgendeiner Stelle wieder hervor. Es wirkte ein wenig unentschlossen, so als habe man nicht gewusst, wie weit das Gebiet zu renaturieren sei.
Wer dem Weg, der den Hügel von Schloss Rosenegg hinaufführte, nicht zum Schloss, sondern parallel zum Ufer des Sees in westlicher Richtung folgte, kam durch eine interessante Landschaft mit weiteren Naturschutzgebieten. Auf einem Hügel erhob sich eine Burgruine und auf einem anderen ein Naturdenkmal, die so genannten »sieben Churfirsten«, von der Natur geformte Steinsäulen mit menschlichen Zügen.
Alles in allem gab es genügend Gelegenheiten, sich die Zeit bis zu der vereinbarten Besprechung zu vertreiben. Und je näher halb drei Uhr kam, desto mehr Menschen versammelten sich in dem großen Ratssaal. Dieser war inzwischen fertig renoviert worden. Jin’Enom hatte in dem riesigen, lang gezogenen Raum mehrere Tische in der Form eines riesigen »U« aufstellen lassen, bei dem allerdings nur an den Außenseiten Stühle standen. Das hatte den Vorteil, dass sich alle Versammelten gegenseitig ansehen konnten, ohne den Kopf in die andere Richtung wenden zu müssen. An jedem Platz lagen ein Notizblock sowie ein Kugelschreiber. Des Weiteren stand vorne an der Tischkante ein Schild, auf dem ein Name und der Name eines Landes stand, in manchen Fällen statt des Landes auch ein Kontinent.
An der Stirnseite des »U« standen nur vier Stühle, obwohl dort mehr Platz gehabt hätten. Die Namensschilder an den jeweiligen Plätzen waren bezeichnet mit »Vivien«, »Jin’Enom«, »Irmgard« und »Yan Emmett«. Doch Jin’Enom war noch nicht anwesend. Dadurch entwickelte sich unter den Gästen manches Gespräch. Es war ein regelrechtes Gewirr von Sprachen. In einem Eck standen einige Asiaten zusammen, die mit ernster Miene etwas diskutierten. Auf der anderen Seite Leute, die offenbar aus Afrika kamen. In einer anderen Runde, die hauptsächlich aus Europäern bestand, war auch Allister Parks und er zog auf einmal die Aufmerksamkeit auf sich, als er seinen Geldbeutel hervorholte.
»Kann mir vielleicht mal jemand was erklären?«, wollte er wissen. »Mir ist da am Flughafen was passiert. Ich wollte mein Geld wechseln und bin in eine Bank, doch statt Deutschmark habe ich das hier gekriegt. Was ist das – so eine Art Touristengeld?«
Er zog ein paar Euroscheine aus dem Fach seines Geldbeutels und hielt sie hoch. Emile Abeille, der neben ihm stand, musste grinsen.
»Das ist der Euro«, erklärte er schließlich, immer noch sichtlich amüsiert.
»Und was ist das?«, hakte der Amerikaner nach.
»Ihnen ist nicht zufällig bekannt«, meinte Emile, »dass es in Europa schon vor einiger Zeit eine Währungsreform gegeben hat und dass einige europäische Staaten ihre Landeswährung zugunsten einer internationalen Einheitswährung aufgegeben haben? Deutschland gehört zu diesen Ländern, Frankreich, Italien, Griechenland…«
»Damit kann ich hier also zahlen?«
»Ja«, dann beugte er sich vor, als wolle er dem anderen etwas verschwörerisch ins Ohr flüstern und ergänzte leise: »Ist sogar mehr wert als der Dollar.«
»Das habe ich gemerkt«, seufzte Allister.
In diesem Moment betrat Jin’Enom den Saal. Vivien und zwei weitere Leute folgten ihm. Für die Anwesenden war das das Zeichen, dass nun die angekündigte Besprechung losgehen würde, also suchte jeder seinen Platz. An jedem Platz lag ein Kopfhörer, dessen Kabel in einen Funkempfänger eingesteckt war; ein kleiner Zettel in der jeweiligen Landessprache forderte dazu auf, diesen aufzusetzen, und informierte, dass man über die Hörer eine Übersetzung dessen, was gesagt wurde, erhalten würde. Die Dolmetscher, die das taten, saßen offenbar in einem anderen Raum. Doch dann müssten doch Mikrofone im Raum sein, damit die Übersetzer hörten, was hier gesprochen wurde? Nach einigem Suchen konnte man sie entdecken; sie hingen von der Decke, damit sie nicht störten. Genauso wie die Kopfhörer waren sie kabellos, die Sprache wurde per Funk übertragen.
Nachdem alle Platz genommen hatten, blickten sie gebannt auf den alten Mann. Seine Begleiter setzten sich, er jedoch blieb vor seinem Stuhl stehen. Er zog seinen weiten Mantel aus, hängte ihn über die Stuhllehne, und als es ganz still war in dem Saal, erhob er seine Stimme.
»Kore bonvena sur kastelo Rosenegg. Kore bonvena apud tiuj Quysthali.«
Die Anwesenden warteten ein paar Sekunden, dann blickten sie etwas verständnislos drein. Die Sprache klang irgendwie vertraut – andererseits aber auch wieder nicht. Einige begannen, an die Hörmuscheln der Kopfhörer zu klopfen, so als hätten diese einen Wackelkontakt. Niemand hatte eine Übersetzung dieser Worte erhalten. Doch schon fuhr Jin’Enom fort.
»Mit diesen Worten aus der internationalen Sprache Esperanto will ich Sie alle nochmals hier auf Schloss Rosenegg, bei den Quysthali willkommen heißen«, sagte er, und diesmal wurden seine Worte übersetzt. »Nun ist der Zeitpunkt gekommen, da ich Sie aufkläre, warum wir alle hier sind. Zuerst möchte ich Ihnen sagen, dass ich etwas bedauere, und zwar, dass ich nicht mehr Menschen eingeladen habe, einladen konnte. Sie werden bereits bemerkt haben,dass nicht alle Gegenden der Erde repräsentiert sind, so wie es eigentlich mein Wunsch war.«
Staunende Gesichter waren nun zu sehen, denn immerhin hielten sich gut und gern fünfzig Leute in dem Saal auf. Aber man konnte auch bemerken, dass hauptsächlich Europa gut vertreten war. Zumindest aus Zentral- und Westeuropa war von jedem Land ein Vertreter anwesend. Aus Afrika, Amerika und Asien waren weniger Menschen hier, als der jeweilige Kontinent Länder hatte. Lediglich Australien und Ozeanien waren noch ziemlich vollständig vertreten, was aber damit zu tun hatte, dass der große Hauptkontinent von Australien nur aus einem riesigen Land bestand.
»Ich musste allerdings lernen«, ging Jin’Enom weiter, »dass es viel zu viel Zeit in Anspruch genommen hätte, so viele Leute zu finden, die dieses Projekt vielleicht unterstützen würden. Deswegen wollen wir heute so beginnen, in der Hoffnung, dass wir uns noch steigern können. Und nun will ich Ihnen eine Geschichte erzählen. Mein Name ist Jin’Enom, aber das war er nicht immer. Wie ich hieß, bevor ich mich so nannte, tut nichts zur Sache, denn ich bin ein anderer als damals. Ich bin 1940 in Deutschland geboren worden. Ich lernte viel, und als ich alt genug war, wurde ich Kaufmann. Ich kam mit Anfang 20 in einem Unternehmen unter, in dem ich Karriere machte. Ich stieg recht schnell auf, wurde Abteilungsleiter, dann Prokurist und schließlich leitender Angestellter der Geschäftsführung. Schon früh begann ich, Geld auf die Seite zu legen. Das mag so eine Art Reflex sein, wenn man in den Nachkriegsjahren in Deutschland aufgewachsen ist. Am Anfang waren das einfache Sparkonten, doch da ich irgendwann mehr verdiente als der Durchschnitt, kümmerte sich meine Bank besonders um mich. Man riet mir schließlich zu einem Fond, in den ich jeden Monat sowohl einen festen Betrag als auch zusätzliches Geld einzahlen konnte. Ich muss dazu sagen, mein Lebensstandard hat sich meinem Gehalt nicht sonderlich angepasst, ich habe mir zwar irgendwann eine kleine Eigentumswohnung gekauft, aber auch nur mehr deswegen, weil mir die Bank dazu riet. So räumte ich am Ende eines jeden Monats das Geld, was noch übrig war, vom Konto ab in den Fond. Da die Verwaltung dieses Kapitals und das Steuerrecht mir irgendwann zu kompliziert wurden, beauftragte ich einen Berater, der sich darum kümmern sollte, dass alles seine Richtigkeit behielt. Den habe ich nie so genau kontrolliert, er macht jedes Jahr seine Abschlüsse, meine Finanzen waren im Reinen, auch mit dem Fiskus, und das war’s für mich.«
Er holte tief Luft. Man konnte merken, dass die Geschichte an einem Punkt angekommen war, der nicht sehr angenehm war.
»Meine Bank hatte mich wohl gut beraten«, fuhr er dann fort, »denn dieser Fond passte sich im Laufe der Zeit den Zwängen des Marktes an. Als die Aktien immer mehr aufkamen, verlagerte er sein Hauptgeschäft auf Aktien. Als die Aktien unsicherer wurden, machte der Fond ein Mischgeschäft. Jedenfalls, im Jahr 2000 wurde ich angeschrieben, ob ich das Geld, das momentan in dem Fond stecke, vielleicht umschichten oder ob ich mir eventuell nun als Kapitalanlage noch Immobilien zulegen wolle. Es machte mich stutzig, dass da von Immobilien in der Mehrzahl die Rede war, also forderte ich eine Information über meinen derzeitigen finanziellen Status an. Als ich las, wie viel Geld im Laufe der Zeit aufgelaufen war, wurde mir schwindlig. Gleichzeitig wurde aber auch mein Misstrauen erregt – was machte dieser Fond, dass er von den Turbulenzen des Marktes, besonders im Bezug auf Aktien, fast nicht beeinträchtigt wurde? Ich forschte nach und fand etwas Schreckliches heraus: Als die Zeit der vielen Firmenpleiten begann, war mein Fond bei einem anderen, sehr lukrativ gewordenen Geschäft eingestiegen. Sie kauften Firmen, die nahe am Bankrott standen, billig auf, sanierten sie – hauptsächlich indem sie Mitarbeiter auf die Straße setzten – und verkauften sie mit Gewinn weiter. Einen Großteil dieses beträchtlichen Vermögens hatte ich also gemacht, indem andere Menschen ihren Arbeitsplatz, ihre Existenz verloren. Und einen anderen, nicht gerade unerheblichen Teil hatte der Fond durch Spekulationen mit Lebensmittelpreisen erarbeitet. Dort wurde quasi Profit mit dem Hunger von Menschen gemacht. Ich fand das widerlich und zog mein Geld aus dem Fond ab, um es auf ein gewöhnliches Sparkonto zu transferieren. Die Manager des Fonds bettelten mich förmlich an, das nicht zu tun. Doch ich hatte genug. Nachdem ich das Geld abgezogen hatte, ging der Fond den Bach runter. Eine späte Genugtuung für jene, die durch ihn alles verloren hatten. Aber es änderte nichts an meiner Situation. Ich ließ mich beurlauben. Ich wollte wissen, was ich tun kann, denn ich sah, dass es so viel zu tun gab. Sicher, ich habe jedes Jahr an soziale Einrichtungen gespendet, aber das habe ich dann von der Steuer abgesetzt. Das war mir nun zu wenig. Also begann ich herumzureisen. Ich suchte Orte auf, von denen ich hoffte, ich würde dort weise Menschen finden, die mir helfen könnten. Ich kam in der Welt ganz schön herum: Afrika, Asien, Amerika. Den 11. September 2001 und den Einsturz des World Trade Center erlebte ich in Australien, wo ich auf der Suche nach Schamanen der Aborigines war. Und ich sah, was von da an alles schief lief in der Welt.«
Er machte erneut eine Pause, räusperte sich und erzählte dann: »Meine Besuche überall in der Welt schienen zunächst nichts zu bringen, doch dann kam mir so langsam ein Gedanke: Vielleicht müsste man eine Gemeinschaft gründen. Eine Gemeinschaft, die neutral ist dieser Welt gegenüber, die sie nach Standpunkten von Ethik, Moral und Ehre durchleuchtet, die hilft, Gegensätze zu überwinden, forscht, Rat gibt – einfach hilft. Diese Idee begann sich zu entwickeln – bis ich eine interessante Begegnung hatte, zu der mir mein Freund Sato verholfen hatte.«
Er deutete auf Sato Hiroshi, der aufblickte, als er angesprochen wurde. Ein Lächeln stahl sich auf sein Gesicht. Und während Jin’Enom weiter erzählte, erinnerte sich Sato genau, wie es damals gewesen war. Er erinnerte sich sogar an das Datum. Es war der 12. August 2002 gewesen. Das Kloster. Der alte Weise, der das Wort Quysthali weitergab. Und die ganzen anderen Ereignisse seit damals.

(…)

»Deswegen habe ich den Beschluss gefasst, die Gemeinschaft der Quysthali zu gründen«, sagte er, » und ich möchte Sie alle einladen, dieser Gemeinschaft beizutreten. Nach dem Besuch in dem Kloster 2002 bin ich weiter durch die Welt gereist, um Menschen wie Sie zu finden, die den Kern, den Ursprung dieser Gemeinschaft bilden sollen. Zuerst fand ich Vivien « , damit deutete er auf die Dame neben ihm, » die mir behilflich war, Sie alle zu finden. Genau so wie Yan Emmett hier drüben. Und nun sind Sie hier. Mein ganzes Vermögen habe ich in eine Stiftung übergeben, deren Zweck der Unterhalt der Quysthali ist. Ich habe dazu sogar meine Eigentumswohnung verkauft. Schloss Rosenegg gehört der Stiftung und soll so etwas wie eine Zentrale, eine Heimat sein. Berechtigterweise werden Sie jetzt natürlich fragen, was genau denn diese Gemeinschaft tun soll. Es ist ganz einfach: sie soll sich um die Probleme der Menschheit kümmern. «

Jetzt ging ein Raunen durch die Reihen. Dieses Ziel klang doch zu phantastisch, als das man es hätte realisieren können.

»Deswegen habe ich den Beschluss gefasst, die Gemeinschaft der Quysthali zu gründen«, sagte er, »und ich möchte Sie alle einladen, dieser Gemeinschaft beizutreten. Nach dem Besuch in dem Kloster vor drei Jahren und dieser Begegnung, die mein Leben nachhaltig veränderte, bin ich weiter durch die Welt gereist, um Menschen wie Sie zu finden, die den Kern, den Ursprung dieser Gemeinschaft bilden sollen. Zuerst fand ich Vivien«, damit deutete er auf die Dame neben ihm, »die mir behilflich war, Sie alle zu finden. Genau so wie Yan Emmett hier drüben. Und nun sind Sie hier. Mein ganzes Vermögen habe ich einer Stiftung übergeben, deren Zweck der Unterhalt der Quysthali ist. Ich habe dazu sogar meine Eigentumswohnung verkauft. Schloss Rosenegg gehört der Stiftung und soll so etwas wie eine Zentrale, eine Heimat sein. Berechtigterweise werden Sie jetzt natürlich fragen, was genau denn diese Gemeinschaft tun soll. Es ist ganz einfach: Sie soll sich um die Probleme der Menschheit kümmern.«
Jetzt ging ein Raunen durch die Reihen. Dieses Ziel klang doch zu phantastisch, als das man es hätte realisieren können.
»Und wenn ich Menschheit sage«, fuhr Jin’Enom ungerührt fort, »dann meine ich die ganze Menschheit. Wenn also ein fünfjähriger Junge an unsere Pforten klopft, weil er ein Problem mit dem Klassenrowdy hat, dann wollen wir versuchen, ihm zu helfen. Und wenn eine Delegation eines Landes kommt, das sich von einem Nachbarn militärisch bedroht sieht, dann wollen wir auch helfen. Wir wollen neutral sein, den Menschen helfen, die Probleme auf verschiedene Weisen zu betrachten und dann an einer Lösung arbeiten. Diese Gemeinschaft soll aber nichts rein Politisches sein. Parteien haben den Nachteil, immer nur einer Richtung oder Strömung anzuhängen, was unlebend ist und meiner Meinung nach der Grund, warum in demokratisch regierten Ländern nie auf Dauer die gleiche Partei die Regierung stellt, sondern es immer wechselt. Wir wollen auch keine Revolution vom Zaun brechen, denn Revolutionen sind etwas, das auf einen Moment beschränkt ist. Und so hoch die Ziele einer Revolution auch sein mögen, die Revolution selbst bricht in sich zusammen, wenn sie sich mit dem Alltag messen muss. Dann werden aus Revolutionen ganz schnell Diktaturen. Ich möchte auch keine Religion ins Leben rufen, denn Religionen haben den Nachteil, dass sie von vornherein eine Wahrheit zu verkünden haben und sich nicht irren dürfen. Ich möchte aber, dass diese Gemeinschaft sich ständig selbst prüft und so dynamisch ist wie das Leben selbst. Das Leben wohlgemerkt, und nicht etwas, das eine Mode vorgibt. Was ich auch nicht möchte, ist, dass ich wie ein Guru oder ein Führer dastehe und angesehen werde. Wer einer solchen Person folgt, gibt damit die Verantwortung für sein eigenes Leben ab. Aber diese Verantwortung kann ich nicht übernehmen, das muss jeder selbst regeln, auch in der Gemeinschaft. Ich weiß auch nicht, ob man diese Gemeinschaft als philosophisch betrachten kann, dazu müsste erst einmal genau geklärt sein, was Philosophie eigentlich ist, und die Frage danach ist bereits eine philosophische. Was aber fast das Wichtigste ist: Wir wollen uns nicht aufdrängen. Wenn es also zwischen zwei Gruppen zu einem Konflikt kommt und man ruft uns nicht zur Vermittlung, so können wir uns Gedanken machen, was getan werden könnte, wir werden aber nicht zu den Gruppen hingehen und uns aufdrängen. Es ist wichtig, dass wir zumindest so weit erwünscht sind, dass wenigstens eine der beiden Seiten uns dazuruft.«

 

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